Das Buhlen um die Bauern

Als ich gelesen habe, dass die Grüne Partei mit einer Gratismitgliedschaft für Bauern wegen der Hitze und des fehlenden Niederschlags um Mitglieder buhlen, dachte ich mir, dass kann es doch nicht sein. Aus meiner Sicht gibt es nach diesem heissen und trockenen Sommer niemanden mehr, der nicht anerkennt, dass sich das Klima verändert.
Wir Bauern kämpfen aktuell sehr um unsere Kulturen. Wir versuchen Sorten anzubauen die trockenheitstoleranter sind. Wir versuchen mit Hofdünger und Zwischenfrüchten Humus aufzubauen, um unsere Versorgungssicherheit aufrecht zu erhalten. Aber genau da liegt der Hund begraben. Unsere Versorgungssicherheit wird nicht nur vom fehlenden Wasser gefährdet, sondern auch vom immer mehr regulierten Pflanzenschutz.
Als Folge der Trinkwasserinitiative kämpfen wir heute mit dem Absenkpfad Nährstoffe und Pflanzenschutzmittel. Der Bund und Labelverbände zahlen für den Verzicht von Insektiziden und Fungiziden, welche uns auf dem Feld Schädlings- und Pilzbefall eindämmen attraktive Prämien, welche in Wahrheit unsere Versorgungssicherheit gefährden. Ein aktuelles Beispiel ist die Zuckerrübe. Dieses Jahr suchte uns ein neuer Schädling auf. Der Rübenrüssler sticht in die Stile der Rüben und die Larve des Rüsslers bohrt sich in den Rübenkopf. Man könnte den Schädling bekämpfen, jedoch sehen viele den lukrativen Zustupf aus Bern für «pestizidfreie» Rüben. So ein Feld durfte ich diese Woche im Klettgau besichtigen. Der Rübenkörper ist von Larven durchbohrt und das Feld ein Totalausfall. Komischerweise sind es genau die linken und grünen Kräfte in Bundesbern, die alles daransetzen, dass der Einsatz von Wirkstoffen eingedämmt wird und damit unsere Selbstversorgung langfristig gefährdet ist. Zusammen mit der Trockenheit wird unsere Landwirtschaftsstrategie zur Importstrategie auf Kosten der Ärmeren. Ist das noch sozial und ökologisch?
